"Negativspirale: Jeder zehnte Krankenpfleger ist krankheidsbedingt abwesend"

AKVB präsentiert Memorandum mit fünf politischen Prioritäten und Lösungen

Brüssel, 31. Januar 2024 - Der Allgemeine Krankenpflegerverband ​ Belgiens (AKVB) hat heute sein Memorandum mit fünf strukturellen wunden Punkten des Sektors vorgelegt. „Aus einer kürzlich durchgeführten Umfrage geht hervor, dass in Belgien jeder zehnte Krankenpfleger in krankheitsbedingt abwesend ist. Und mehr und mehr dieser Fachkräfte steigen überarbeitet und demotiviert aus.“ erklärt Wouter Decat, Sprecher des AKVB: „Diese Negativspirale muss durchbrochen werden, um jetzt und in Zukunft eine qualitativ hochwertige Pflege gewährleisten zu können.“

©AUVB
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Wenn uns die Covid-Pandemie etwas gelehrt hat, dann wie wichtig Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger für unsere Gesellschaft sind. Doch als der Beifall abebbte, blieb wenig politisches Engagement übrig, um diesen Fachkräften wirklich zu danken und ihnen die strukturelle Unterstützung zukommen zu lassen, die sie verdienen. 2024 wird dies zu einem eklatanten Mangel an Krankenpflegerinnen und Krankenpflegern führen, der sowohl die aktiven Fachkräfte als auch die Qualität der Pflege in unserem Land stark unter Druck setzt.

Zu hoher Pflegepersonalquotient: 1 zu 11

Jüngste Zahlen zeigen, dass der Pflegepersonalquotient mit 1 zu 11 in unserem Land sehr hoch ist. Zum Vergleich: Der europäische Durchschnitt liegt bei acht Patienten pro Pflegekraft. Dies führt zur Überlastung der übrigen Krankenpflegerinnen und - pfleger und zur notgedrungenen Schließung von Stationen, die nicht den Personalnormen entsprechen. Inzwischen ist jede zehnte Krankenschwester und jeder zehnte Krankenpfleger (11,3 %) in allgemeinen Krankenhäusern selbst krankgeschrieben, und die Tendenz bei den Langzeitkranken (länger als ein Jahr) ist sogar steigend, heißt es im MAHA-Bericht. In der Praxis stellt der AKVB fest, dass alle Krankenschwestern und Krankenpfleger unter einer enormen Arbeitsbelastung stehen.

„Das ist eine gefährliche Negativspirale", warnt der AKVB. „Die Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger werden weniger und die alternde Bevölkerung lässt die Patientenzahl steigen. ​ Die letzten Babyboomer erreichen das Rentenalter. Um diese Spirale zu durchbrechen, bedarf es einer strukturellen Unterstützung des Sektors durch die Politik."

Wer kümmert sich um die Pflegekräfte?

Wie diese Unterstützung aussehen sollte, erklärt der AKVB sehr detailliert in ihrem eindrucksvollen Memorandum 'Wer kümmert sich um die Pflegekräfte?' Der Verband nennt fünf zentrale politische Prioritäten mit entsprechenden konkreten Lösungen. Fünf Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger verkörpern dieses Memorandum mit Hilfe von so genannten „Dringlichkeitsblättern“. Darin erzählen sie ihre Geschichte, ihre Symptome und die „Behandlung“ oder Lösung für ihr Problem.

Wir haben uns bewusst dafür entschieden, die Fachkräfte selbst zu Wort kommen zu lassen“, erklärt Wouter Decat, AKVB. „Eine unserer fünf Prioritäten ist ein größeres Mitspracherecht auf politischer Ebene. Die Erfahrungen, Vorstellungen und Meinungen der Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger werden nur sehr wenig berücksichtigt. ​ Wir lassen sie zu Wort kommen und über ihre alltäglichen Erfahrungen berichten.“

Bei einer dieser Fachkräfte handelt es sich um Mehdi, Fachkraft für häusliche Pflege (28). Er zeigt, dass der Mangel an Material zu einer buchstäblichen körperlichen Überlastung führt. „Rollstühle, Gehhilfen, Krücken: Oft sind sie nicht vorrätig, so dass wir die Patienten bei ihrem Gang zur Toilette stützen oder tragen müssen. So habe ich mir schonmal den Rücken verrenkt.“ ​ Die leitende Krankenpflegerin in einem Wohn- und Betreuungszentrum, Liesbeth (53), prangert ihrerseits den Zeitmangel und die geringere Qualität der Pflege an, die sich aus dem Personalmangel ergeben. „Das ist hier keine Autowaschanlage!“ sage ich meinen Pflegekräften manchmal. Und bei solch intimen Pflegeaufgaben merkt man den Unterschied zwischen Pflegekräften, die auf dem Zahnfleisch gehen, überarbeitet und überlastet sind, und solchen, die qualitativ hochwertige Pflege leisten können.“

Liesbeth, leitende Krankenpflegerin in einem Wohn- und Betreuungszentrum ©AUVB
Liesbeth, leitende Krankenpflegerin in einem Wohn- und Betreuungszentrum ©AUVB
Mehdi, Fachkraft für häusliche Pflege ©AUVB
Mehdi, Fachkraft für häusliche Pflege ©AUVB
Baptiste, Student im letzten Jahr ©AUVB
Baptiste, Student im letzten Jahr ©AUVB
Alexandra, leitende Krankenpflegerin in der inneren Medizin ©AUVB
Alexandra, leitende Krankenpflegerin in der inneren Medizin ©AUVB
Yves, leitende Krankenpfleger in der Notaufnahme ©AUVB
Yves, leitende Krankenpfleger in der Notaufnahme ©AUVB
Wouter Decat ©AUVB
Wouter Decat ©AUVB

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Pressetermine

Unten finden Sie einen Download-Link zum Memorandum.

Außerdem finden Sie auch die Statements der fünf Krankenpfleger. Wir stellen gerne den Kontakt her, falls Sie einen von ihnen interviewen möchten. Auch die AUVB steht Ihnen für Fragen und Gespräche zur Verfügung.

Memorandum AKVB 2024

PDF - 943 Kb

Dringlichkeitsblättern AKVB 2024

PDF - 304 Kb

Pamphlet AKVB 2024

PDF - 766 Kb

Pressekontakt

Olivier Moch

Olivier Moch

Senior PR Consultant, Bepublic Group

Deniz Avcioglu

Coordinatrice francophone, Union Générale des Infirmiers de Belgique


Zum AKVB

Der Allgemeine Krankenpflegerverband Belgiens (AKVB) vereinigt 40 Berufsverbände der Krankenpflege aus den drei Regionen und Gemeinschaften und bildet damit ein Dach für alle Aspekte der Ausbildung und der beruflichen Praxis der Krankenpflege. Damit vertritt der AKVB die 140.000 in Belgien tätigen Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger. Der Verband vereint, vertritt und verteidigt den Sektor mit dem Ziel der Interessenvertretung von Krankenpflegerinnen und -pflegern, sowie Patientinnen und Patienten.

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